Abschied von Nyaru Menteng
Mit der Auswilderung von Monic, Astrid, Tantri und Tarzan geht auch unsere Reise hiermit zu Ende. Wir werden sie wohl immer in guter Erinnerung behalten. Den Weg in die Freiheit von vier Orang-Utans zu begleiten, mit der Gewissheit, dass ihnen noch viele folgen werden, war ein unglaublich tolles Erlebnis für uns beide.
Doch ist uns auch bewusst geworden, wie viel Arbeit, Geld und Geduld in einem Projekt wie diesem steckt und wie lang und steinig der Weg für die meisten noch ist. Für einige der über 800 Orang-Utans heißt es allerdings Endstation Samboja Lestari oder Nyaru Menteng. Zu viel Leid ist ihnen widerfahren, als dass sie sich jemals wieder in ihrem natürlichen Lebensraum zurechtfinden könnten. Manche sind blind, körperlich oder geistig behindert, leiden an Tuberkulose oder Hepatitis oder haben schon zu lange in Gefangenschaft gelebt. Es ist ein Jammer, dass ihnen all das wir Menschen zugefügt haben. Diesen gebeutelten Schicksalen wird BOS dauerhaft ein Orang-Utan gerechtes Leben ermöglichen, und nicht zu vergessen, den “unauswilderbaren” Malaienbären.
Wir blicken nun auf fast vier Wochen voller schöner, trauriger und rührender Erlebnisse und vor allem vieler netter Bekanntschaften zurück. Wir werden sie vermissen, die Babysisters, Teknisis und all die anderen BOS-Mitarbeiter. Aber natürlich werden wir auch unsere rothaarigen Freunde vermissen, die es einfach verdient haben, in Freiheit zu leben.
Danke, liebes Team der BOS Foundation für eure tolle Arbeit! Und ein großes Dankeschön natürlich auch an alle Spenderinnen und Spender, die dieses Projekt am Laufen halten!
Tantri, Astrid, Monic und Tarzan sind Zuhause
Dienstag, 28.2. 2012, das Auswilderungsteam wartet gespannt in der Nähe des Landeplatzes in Bukit Batikap auf die Ankunft des Hubschraubers mit den ersten beiden Orang-Utans Tantri und Monic. Das Dorfoberhaupt von Tumbang Tohan, dem nächstgelegenen Dorf, und einige Dayak-Häuptlinge waren ebenfalls anwesend.
Nach etwa einer Stunde Wartezeit hörten sie endlich, wie das Dröhnen des Hubschraubers immer näher kam und schließlich sanft landete.
Einige der BOS-Mitarbeiter liefen sogleich zum Hubschrauber und nahmen das Team, bestehend aus Agus Fahroni, Rahmad Syarief und Jacqui Sunderland-Grooves. Schnell trugen die Teknisis die Transportkisten vom Landeplatz zur Auswilderungsstelle. Tierarzt Agus Fahroni hatte die große Ehre, den erstan Orang-Utan frei zu lassen. Man hatte beschlossen, Tantri zuerst raus zu lassen, weil sie die Jüngste der Vier ist. Er hob vorsichtig die Tür nach oben. Alle beobachteten ganz gebannt diese Szenerie und es kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, wenn da nicht das eine oder andere Freudentränchen vergossen wurde.
Tantris erste Reaktion war unglaublich rührend. Statt auf den nächstbesten Baum zu flüchten, kletterte sie zuerst auf Monics Käfig und verharrte einen Moment, als ob sie darüber nachdenken würde, ob dies gerade ein Traum war oder wirklich geschah. Als sie sich aber der Echtheit des Ereignisses bewusst geworden war, verschwendete sie keine Zeit mehr mit Nachdenken und verschwand in einem nahegelegenen Baum. Dort machte sie es sich auf einem Ast gemütlich und beobachtete weiter das Geschehen.
Nachdem Tantri glücklich und zufrieden in ihrem Baum saß, war Monic an der Reihe. Anders als Tantri brauchte Monic keine Überlegungszeit. Sobald ihre Käfigtür geöffnet war, suchte sie sich schnell einen Baum aus und kletterte behände auf einen hohen Ast, auf dem sie sich ebenfalls erstmal zu erholen schien. Es war ja in der Tat eine ermüdende, anstrengende Reise gewesen.
Nun mussten noch Astrid und Tarzan geholt werden. Gegen 13:30 Uhr erreichte der Hubschrauber das zweite Mal den Landeplatz. Diesmal waren Tierarzt Maryos V. Tandang, Teknisi Taufiq, geschäftsführender Direktor der BOS Foundation Jamartin Sihite und Projektmanager Anton Nurcahyo mit an Bord.
Ohne viel Zeit zu verlieren, wurde Astrid schnell an ihre Auswilderungsstelle gebracht. Anton öffnete den Käfig und wenige Sekunden später saß sie schon auf dem nächstbesten Baum und guckte auf das Team herab.
Last but Not least, war nun endlich auch für Tarzan der große Moment gekommen. Weil es sich bei ihm um ein kräftiges ausgewachsen Männchen handelt, wurde beschlossen, ihn etwas weiter von den Auswilderungsstellen der Weibchen frei zu lassen. So hätte er mehr Zeit sich an die neue Umgebung und die neuen potentiellen Partnerinnen zu gewöhnen.
Als sie den Transportkäfig ein letztes Mal absetzten, schlief Tarzan noch immer. Agus beschloss ihm ein Medikament zu verabreichen, welches das Beruhigungsmittel aufheben sollte. Kurze Zeit später bewegte Tarzan auch schon seine Hand.
Das Dokumentationsteam konnte leider nicht warten, bis Tarzan vollkommen wach war und sich einen geeigneten Bau gesucht hatte. Der Pilot forderte alle Passagiere auf, einzusteigen, da sich bereits dunkle Wolken näherten. Kurz bevor der Hubschrauber aber abhob, lief ein Teknisi wild mit den Armen rudernd in Richtung Landeplatz und rief aus voller Kraft: “Tarzan klettert gerade auf einen Baum!”. Es war ergreifend, für jeden einzelnen Beteiligten. Tarzan, Monic, Tantri und Astrid sind Zuhause!
Macht’s gut, ihr Vier und passt gut auf euch auf im Dschungel von Bukit Batikap!


Sie haben es endlich geschafft. Monic, Tantri, Astrid und Tarzan sind wohlbehalten per Hubschrauber in ihrer neuen Heimat angekommen. Nach einer anstrengenden, weiten Reise wurden heute im Wald von Bukit Batikap zum letzten Mal ihre Käfige geöffnet. Gern wären wir alle bei diesem Moment dabei gewesen, aber um den Stress für die Tiere und auch die Kosten so gering wie nötig zu halten, durften nur die Personen anwesend sein, die auch direkt an der Auswilderung beteiligt waren. Fotos wurden aber dennoch gemacht und werden uns so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt. Wir sind alle sehr gespannt.
Für uns bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass sich die vier Orang-Utans schnell an ihr neues grünes Wohnzimmer gewöhnen und schnell die ganzen Strapazen vergessen haben. Mit etwas Glück gibt es ja vielleicht auch schon bald Nachwuchs.
Für das Monitoring-Team vor Ort geht jetzt erst die Arbeit los. Sie werden Monic, Tantri und Co ein Jahr lang beobachten und ihr Verhalten dokumentieren.
Ankunft in Puruk Cahu
Der letzte Abschnitt auf dem Weg der vier Orang-Utans in die Freiheit erfolgt in zwei Etappen. Von Palangka Raya sind die Tiere zunächst mit dem Flugzeug nach Puruk Cahu gebracht worden, wo sie eine Nacht in größeren Käfigen verbringen. Auf dem 55-minütigen Flug nach Puruk Cahu verhielten sich die Orang-Utans vorbildlich. Begleitet wurden Sie von einem Auswilderungsteam u.a. den Tierärzten Dr. Agus und Dr. Maryos.
Bei der Ankunft in Puruk Cahu stand ein weiteres Team bereit und half beim Transport der Tiere zu den Übernachtungskäfigen. Es wurden allein 7 Helfer benötigt, um Tarzan sicher in seine Unterkunft zu bringen. Tarzan ist ein sehr großes ausgewachsenes Männchen und obwohl er eher gutmütig ist, schätzt er es nicht sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit seiner menschlichen Pfleger zu stehen.
Tarzan, Astrid, Monic and Tantri sind nun sicher in Ihren Übernachtungskäfigen untergebracht. Morgen früh werden Sie nach einer weiteren Zeremonie mit dem Regent der Region Murung Raya mit dem Hubschrauber nach Bukit Batikap geflogen. Sie kommen der Freiheit nun immer näher.
Bukit Batikap ist ein geschütztes Waldgebiet in der weit entlegenen Region Murung Raya im Nordosten der Provinz Zentral-Kalimantan und wird die neue Heimat der Orang-Utans. Das Gebiet erfüllt alle internationalen und nationalen Kriterien zur Eignung als Auswilderungsgebiet für Orang-Utan. Im Süden des Gebietes erstrecken sich 35.000 Hektar Tiefland-Regenwald, welche sich aufgrund der Isolation und Abwesenheit von Siedlungen zur Auswilderung von Orang-Utans eignet.
Abschiedszeremonie für die vier Orang-Utans
Auf dem Flughafen von Palangka Raya hat heute eine offizielle Abschiedszeremonie des Forstministeriums stattgefunden. Teilgenommen haben der Vize-Gouverneur von Zentral-Kalimantan im Namen des Gouverneurs von Murung Raya, der Chef der obersten Naturschutzbehörde und zahlreiche andere wichtige Regierungsvertreter. Das war ein ganz besonderer Abschied für die vier Orang-Utans!






